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Im Tate Modern gibt es eine neue Ausstellung über Gerhard Richter

Drucken 07.10.2011, 19:22 Uhr, Reise & Tourismus
Für reichlich Gesprächsstoff hat das Tate Modern mit immer neuen Grenzüberschreitungen seit jeher schon gesorgt. Kunstliebhaber, die sich in der Hauptstadt aufhalten, sollten es deshalb auf keinen Fall versäumen, der berühmten Galerie einen ausgedehnten Besuch abstatten. Aktuell sind es die folgenden drei Ausstellungen, mit denen man während seines Kurztrip London im Tate Modern die Wahrnehmung für ganz neue Erfahrungen und Lebenswelten schärfen kann.

Am 6. Oktober eröffnet man dort eine aufregende neue Retrospektive auf das Werk von Gerhard Richter. Diese Ausstellung wird dann noch bis zum 11. Januar zu sehen sein.

Die Ausstellung trägt den Titel ‚Gerhard Richter: Panorama’ und fällt gleich auch zusammen mit dem 80. Geburtstag des Künstlers. Besonders beleuchtet werden dabei wichtige Etappen seiner bemerkenswerten Karriere.

Als einer der ersten deutschen Künstler rückte er die Geschichte der NSDAP ins Zentrum seiner Arbeit. Er malte Bilder von den Mitgliedern seiner Familie, die sowohl Mitglieder als auch Opfer dieser ruchlosen politischen Bewegung waren.
Sein besonderes Interesse für die Politik setzte sich fort in einer fünfzehnteiligen Serie mit Schwarzweißbildern, bei denen Bilder der Baader-Meinhof-Gruppe als Vorlage dienten.

Andere seiner Werke thematisieren und dokumentieren weitere bedeutende und furchtbare Momente der Geschichte. Ein Bild von den Terroranschlägen vom 11. September auf das World Trade Center ist im letzten Raum der Ausstellung zu sehen. Es trägt den Titel „September 2005“.

In der Sammlung enthalten sind weitere realistische Werke, bei denen Fotografien als Vorlage dienten, farbenfrohe gestische Abstraktionen, unter anderem auch die mit einem Fensterabzieher erstellten Bilder, Portraits, subtile Landschaften und historische Werke.

Für besonders passionierte Fans des Malers, die den tieferen Sinn seiner Werke noch genauer ergründen wollen, veranstaltet das Tate Modern eine Reihe von Diskussionsrunden als Rahmenprogramm zur Ausstellung .

Benjamin HD Buchloh hält am 5. Oktober eine Vorlesung mit dem Titel „Chance and Intention: Gerhard Richter's Abstractions“ (deutsche Übersetzung: „Zufall und Absicht: die Abstraktionen von Gerhard Richter“).

Der Kurator der Ausstellung wird hierauf jeweils am Montag, den 24. Oktober und 5. Dezember, zum Künstler sprechen.
Außerdem noch zu sehen in der Galerie bis zum 16. Oktober ist die Ausstellung mit dem Titel „Contested Terrains“ (Deutsch: „Umkämpfte Territorien“).

Diese Ausstellung regt besonders zum Nachdenken an. Sie präsentiert vier Künstler aus Afrika, die verschiedene Geschichten über die Vergangenheit und die Gegenwart erzählen und verfremden.

Kader Attia, Sammy Baloji, Michael MacGarry und Adolphus Opar erhellen die Kernthemen ideologischen und wirtschaftlichen Interessen Afrikas, die sich scheinbar unaufhörlich in Widerstreit befinden.
Die Folgen des Imperialismus, Ideen von der historischen Wahrheit und ihren Darstellungen sowie die Mechanik der Macht erhalten im Rahmen ihrer Werke einen Raum zur kontroversen Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Geschichte und Gegenwart.

Das Interesse der Künstler an der Entstehung von kulturellen Erzählungen zeigt sich in ihrem Bemühen um die Ästhetik des Museums wie auch die der Ausstellung in der Galerie. Hierdurch wird klar, dass das Museum selbst ein Ort ist, an dem die Entstehung von und Auseinandersetzung mit Ideen und Ideologien stattfindet.
Opara verwendet fotografische Portraits um sich dem Widerstreit von traditionellen und modernen Wertsystemen im Dialog und unter der Einwirkung von Druck von außen Schritt für Schritt anzunähern. Dieses Konzept findet sich auch bei MacGarrys Beinhaus wieder.

Mit der Diainstallation von Attila und den Hybridskulpturen von MacGarry werden wiederum verschiedene Arten der Reparatur und Wiederherstellung in den Mittelpunkt der Wahrnehmung gerückt.
Auf dem Weg dahin beschäftigen sich die Fotomontagen von Baloji mit den Überresten und Realitäten von Industrialisierung und Welthandel.

Im Tate Modern heißt es dazu: „Diese Künstler geben den Blick frei auf eine Geschichte, die mehr als nur eine geradlinige Auseinanderfolge von Ereignissen zu sein vermag, und zeigen, wie sehr es sich bei der Gegenwart immer auch um ein umkämpftes Territorium handelt.“

Bis zum 2. Januar erwartet die Besucher im Modern Tate auch noch die Ausstellung von Taryn Simon.

Beschrieben wurde sie als „wichtiges neues Werk“. „A Living Man Declared Dead and other Chapters“ (deutsche Übersetzung: „Ein lebender Mensch, der für tot erklärt wurde und weitere Kapitel“) ist das Ergebnis von vier Jahren Forschung der Künstlerin im internationalen Ausland.

Simon bereiste die Welt auf der Suche nach Blutlinien und erzählt dabei die Geschichten, die fest mit ihnen verbunden sind.
Ihre Arbeit zeigt, wie gewöhnliche Einflüsse der äußeren Welt, wie territoriale Grenzen, Macht, die gesellschaftlichen Umstände oder Religion, mit immanent geistigen Vorstellungen vom psychischen und physischen Erbe verwoben sind.

Im Zentrum der Ausstellung stehen dabei besonders die Geschichten von den Opfern des Genozids in Bosnien, von Familien, die in Brasilien miteinander in Fehde stehen, von den lebenden Toten in Indien und vom Körperdouble von Saddam Husseins Sohn Uday.


Autor / Kontakt:
Oban Multilingual
Frau Verena Janisch
Brighton
URL: http://www.londonpass.de

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