EHEC: Enge Aufstallung in der Tierhaltung fördert Entstehung weiterer gefährlicher Mutationen von Bakterien
„Fragt nach den Wurzeln!“
Tier & Mensch e.V. und PAKT warnen vor Erregern durch Intensivtierhaltung
In den Medienberichten über die Fahndung nach der Herkunft der EHEC-Keime bleibt im Allgemeinen die eigentliche Quelle der Erreger unerwähnt: Die „moderne“ Tier-“Produktion“. Man muss sie genau unter die Lupe nehmen, wenn man in Zukunft vermeiden will, dass immer neue Lebensmittelvergiftungen oder Seuchen die Verbraucher das Fürchten lehren. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden!
Heute wird den Tieren maximale „Leistung“ abverlangt. Doch je größer die Getreidemengen sind, die Wiederkäuer fressen müssen, um die gewünschte schnelle Mastzunahme oder Milchmenge zu liefern, desto anfälliger sind sie für pathogene Darmkeime wie EHEC, und je mehr Tiere dicht zusammen im Stall ohne Weidezugang gehalten werden, desto krankheitsanfälliger werden sie. Damit benötigen sie häufige Antibiotika-Gaben. Erst bei massivem Antibiotika-Einsatz bilden sich Resistenzen. Auch der Escherichia-Coli-Typ, der zurzeit im Mittelpunkt steht, ist gegen etliche Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline und Cephalosporine resistent.
Woher stammen diese Keime? Denkbar ist die Düngung von Gemüse mit infizierter Gülle aus intensiver Stallhaltung. Trockendung ist vermutlich nicht auf demselben Hafengelände im Hamburg geladen oder gelagert worden, wo Gurken von einer Palette fielen. Wahrscheinlicher wäre es, dass ein Arbeiter des Großmarktes, im Hafen oder gar in Spanien mit EHEC infiziert war und die nötige Hygiene nicht beachtet hat. Seine Infektion könnte von tierischen Produkten stammen, die als nahe liegendes Überträgervehikel für den Darmkeim EHEC in Frage kommen. Die Betriebe, von denen die spanischen Gurken stammten, haben nach eigenen Aussagen keinen Kot aus der konventionellen Massentierhaltung zum Düngen der Gurken verwendet. Das wird hoffentlich mit Nachdruck geklärt!
Biobetriebe verwenden selten und nur im akuten Krankheitsfall Antibiotika. Weidehaltung wird von Biobauern bevorzugt und sorgt für gesunde Tiere. Bei Untersuchungen in Amerika wurde nachgewiesen, dass bei Rindern, die Heu und Gras fressen, vorhandene EHEC-Keime innerhalb weniger Tage drastisch zurückgingen, weil sich das Magen-Darmmilieu in einer für sie ungünstigen Weise verändert.
Der zurzeit ausgebrochene EHEC-Typ ist nur einer der gefährlichen Erreger aus der tückischen Truppe von Lebensmittelvergiftern, unter denen die Antibiotika-resistenten Krankheitskeime die bedenklichsten sind, denen eine hilflose Schulmedizin kaum noch wirksame Waffen entgegenhalten kann. Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland nachweislich Tausende von Menschen an Salmonellen, Campylobakter und anderen Bakterien und leiden schwer unter Magen-Darm- und Kreislaufsymptomen. Die Dunkelziffer beträgt ein Vielfaches. Darunter sind einige Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Viele Patienten sterben – von diesen Toten hört man jedoch selten. Die Krankheitskeime entstammen in der Regel Produkten aus Massentierhaltungen, denn ohne Antibiotika ist eine Massentierhaltung mit Tausenden zusammengepferchten Puten, Masthühnern, Enten, Kaninchen, Rindern oder Schweinen kaum denkbar. Auch der multiresistente Staphylokokkus Aureus (MRSA), das in Krankenhäusern große Probleme bereitet, ist in Tierfabriken weit verbreitet (etwa 50 % der Mastschweine und 80% der Mitarbeiter in großen Stallhaltungen sind Träger!). Warum aber sind die so genannten „Intensiven Stallhaltungen“ Brutkessel für Krankheitskeime, darunter eben auch zahlreicher Zoonosen? Die überzüchteten Tiere müssen weit über ihre naturgegebenen Möglichkeiten hinaus „Leistung“ erbringen, sie stehen aufgrund von nicht artgerechter Haltung unter Dauerstress, werden nicht artgerecht ernährt, tragen vielfach Verletzungen, leben auf ihrem Kot. Eine Infektion verbreitet sich unter diesen Umständen explosionsartig aus. Nirgendwo sonst sind die Bedingungen so günstig, um zu aggressiveren Krankheitserregern zu mutieren.
Der derzeitige EHEC-Ausbruch muss, so übel er für die Betroffenen auch ist, als Teil eines Gesamtproblems gesehen werden, auch wenn die massive Medienpräsenz alleine schon zu Bauchweh führen kann – der brave Bürger fürchtet sich ja nun vor jeder Gurke, anstatt, was viel wichtiger wäre, die Finger von Produkten aus Tierfabriken zu lassen!
Es ist u. E. unfassbar, dass vor dem Verzehr von Gemüse gewarnt wird, ohne diesem Aspekt auch nur ein Wort zu widmen!
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit
der Tierärztin Karin Ulich von Tier und Mensch e. V..
Der Politische Arbeitskreis für Tierrechte in Europa (PAKT) e. V. setzt sich für die Förderung des Dialogs zwischen Tierrechtlern, Tierschützern, Politik, Wissenschaft und Tiere nutzenden Wirtschaftszweigen im Sinne einer Verbesserung der Situation der Tiere und des Mensch-Tier-Verhältnisses ein.
Durch Publikationen und Fachtagungen zu Tierrechtsthemen unter Einbezug sowohl der Tierrechts- als auch der Nutzerseite, werden Probleme aufgezeigt und Lösungen zu finden versucht. Das Bewusstsein für Tierschutz und Tierrechte wächst in der Bevölkerung. Eine Thematisierung bestehender Probleme und eine konstruktive Lösungssuche ist somit im Interesse sowohl der Wirtschaft als auch der Tiere. Auch zunächst unbequem erscheinende Wege können Chancen in sich bergen - auch diese möchten wir aufzeigen.
Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa (PAKT) e. V.
Frau Elisabeth Petras
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