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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar "Döner-Morde" ist das Unwort des Jahres Treffende Wahl und Mahnung STEFAN BRAMS

Drucken 17.01.2012, 19:31 Uhr, Kunst & Kultur
Bielefeld (ots) - Stellen wir uns einmal für einen Moment vor, in der Türkei wären über mehrere Jahre hinweg deutschstämmige Ladenbesitzer ermordet worden. Stellen wir uns weiterhin vor, diese Taten wären in der Türkei als "Bratwurst-Morde" betitelt worden. Die Empörung bei uns - gerade auch der Boulevard-Medien - dürfte groß gewesen sein. Umso verräterischer ist es, dass hierzulande kaum jemand zögerte, die bis Ende vergangenen Jahres unaufgeklärte Mordserie an acht Türken und einem Griechen verharmlosend, menschenverachtend und letztendlich wie wir heute wissen, den wahren Tathintergrund geradezu grotesk verschleiernd, als "Döner-Morde" zu bezeichnen. Der griffige, aber diskriminierende Begriff, wurde völlig unreflektiert gebraucht - von Behörden, Medien und auch vielen Bürgern. Die Sprachjury hat daher gestern sehr zu Recht, diese rassistische Entgleisung zum "Unwort des Jahres" gewählt und auch uns selbst daran erinnert, vorsichtiger mit der Sprache umzugehen und mehr nachzudenken, ehe wir mal wieder griffig und flott formulieren - und so nicht nur sprachlich Schaden anrichten.



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