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Neue OZ: Kommentar zu Unwort des Jahres

Drucken 17.01.2012, 22:00 Uhr, Kunst & Kultur
Osnabrück (ots) - Kollektives Versagen

Die Wahl des Unworts 2011 lässt sich treffend mit dem Unwort des Jahres 2010 charakterisieren: "Döner-Morde" war "alternativlos". Einen schlimmeren verbalen Fehlgriff hat es in den letzten Jahren nicht gegeben, wobei das den meisten erst kürzlich dämmerte.

Gerade diese späte Einsicht zeigt das kollektive Versagen von Ermittlungsbehörden und Medien, dokumentiert einen fatalen Ermittlungsansatz und eine haarsträubende Überzeugung: Wir "guten Deutschen" konnten uns gar nichts anderes vorstellen, als dass ausländische Kleinunternehmer Opfer mafiöser Banden aus ihrem Kulturkreis geworden sind.

Als Journalist könnte man der Jury also zu ihrer Entscheidung gratulieren und zur Tagesordnung übergehen, was man dann wohl gleich als "Untat des Jahres" nominieren müsste. Denn gerade Journalisten waren es, die durch unreflektierte Verwendung des Unworts dessen Karriere erst befeuert haben. Ganz gleich, ob der Begriff erstmals in Polizeikreisen oder von der Boulevardpresse verwendet wurde, er hat es mühelos bis in die seriösesten Medien geschafft und den Blick auf die Wahrheit, eine mordende Bande deutscher Neonazis, verstellt. Da mag sich niemand damit herausreden, er habe den "Döner-Morden" ja immer das Wörtchen "sogenannt" vorangestellt. Wer weiß, ob das Unwort des Jahres 2012 ja nicht "sogenannt" lautet, eine schlechte Wahl wäre es sicher nicht.



Pressekontakt: Neue Osnabrücker Zeitung Redaktion Telefon: +49(0)541/310 207


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