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LVZ: EKM-Bischöfin Ilse Junkermann: Wittenberger Luther-Zwerge sind "gewollter Störfaktor"
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21.08.2010, 00:05 Uhr, Kunst & Kultur
Junkermann wies die Kritik zurück, es sei nicht im Sinne Luthers, ihn vom Sockel zu holen und als Plastikfigur auf den Markt zu stellen. "Im Gegenteil, Luther hätte sich heftig dagegen verwahrt, auf einen Sockel gestellt zu werden. Deshalb finde ich es gut und ganz im Sinne Martin Luthers, dass er vom Sockel geholt wird." Hörl sei eine Skulptur des Diskurses gelungen. "Und das tut auch dem eigenen theologischen Nachdenken gut." Die EKM-Bischöfin erhofft sich von der Wittenberger Kunstaktion einen zusätzlichen Werbeeffekt für die Reformationsdekade. "Wenn die 800 Luther-Botschafter im September auf Reise in andere Städte, aber auch in andere Wohnungen gehen, werden sie die Botschaft der Reformation mitnehmen."
Einen theologischer Anspruch sei mit dem Kunstwerk allerdings nicht verbunden. "Kunst ist keine Theologie. Ich empfinde es als Bereicherung, wenn ein Künstler sich heute mit Theologie auseinandersetzt. Jede Kunst führt in Auseinandersetzung und Diskussion, erst das macht aus Kunst mehr als Dekoration. Gelingt das nicht, kann aus Kunst schnell Kitsch werden." Hörl sei es dagegen gelungen, mit seinen Luther-Figuren bei den Menschen ganz verschiedene Assoziationen zu wecken. "Diese Figuren haben die Größe eines Kindes. Luther hat daran erinnert, wir sind alle Kinder Gottes. Oft überhöhen wir uns heute, wir muten und trauen uns Übermenschliches zu, etwa die Beherrschung der Atomkraft. Wir sollten hin und wieder in die Knie gehen, uns als Menschen etwas zurücknehmen, um mit Luther auf Augenhöhe zu kommen. So können wir ihn besser verstehen", regte Junkermann an.
Aufgabe der Reformationsdekade bis 2017 sei es auch, "Luther und die reformatorischen Ansätze nicht in der Geschichte und den Museen zurückzulassen, sondern herauszuholen auf die Marktplätze, vor allem die Marktplätze des Denkens und Handelns." Dies sei dem Nürnberger Hörl hervorragend gelungen. Kunst müsse zwar dabei nicht unbedingt provozieren, aber sie dürfe es. "Sie darf Grenzen überschreiten, um uns zu helfen, unsere Grenzen zu überschreiten, vor allem die des Denkens und der Bequemlichkeit, aber auch Grenzen der Ignoranz und der Intoleranz", so Junkermann abschließend.
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