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Der Kastrat und seine Männlichkeit. Gesangskastraten im 17. und 18. Jahrhundert

Drucken 12.03.2010, 08:49 Uhr, Kunst & Kultur
Im 17. und 18. Jahrhundert, das sogenannte goldene Zeitalter des Kastratengesanges, wurden tausendfach Knaben aus dem einzigen Grund kastriert, um ihre kindliche Stimme zu erhalten. Bekannt sind uns heute noch die klangvollen Namen Farinelli und Caffarelli. Doch nicht jeder, der dieser Operation unterzogen worden war, erlangte solche Größe.
Die Autorin wendet sich in ihrer Männlichkeitsstudie einer sozialen Randgruppe in Europa zu, welche sie aus einer historischen Perspektive beleuchtet.

Der Kastrat und seine Männlichkeit. Gesangskastraten im 17. und 18. Jahrhundert

Die organischen Besonderheiten der Kastratenstimme:
Wenn ein Knabe vor der Geschlechtsreife kastriert wurde, so blieb als Folge und Hauptziel der Operation die typische Mutation zur tieferen Männerstimme aus und er erhielt eine Stimme mit einem seltsamen Klang.
Um zu verstehen, was das Außergewöhnliche einer Kastratenstimme war, muss man erst mal wissen, wie die Stimme eines Menschen generell funktioniert und inwiefern sich der Stimmapparat eines Kastraten davon unterschied. Im Allgemeinen hängt die Höhe eines Tones von der Länge und der Spannung der Stimmbänder ab. Je kürzer die Stimmbänder sind, desto höher sind die Töne, die sie erzeugen. Die Stimmritze sitzt im Kehlkopf und verengt sich, wenn wir einen Ton erzeugen möchten zu einem schmalen Spalt. Hierbei spannen wir die Stimmbänder an. Der Atem wird durch die enge Ritze geführt, versetzt die Stimmbänder dabei in elastische Schwingungen und es entsteht ein Ton.

Sezierte man den Stimmapparat eines Kastraten, so fand man nicht die typischen Stimmorgane vor, die man bei einem Mann erwarten würde. Denn die Stimmorgane eines Kastraten ähnelten anatomisch gesehen keineswegs den Stimmorganen eines Mannes, sondern denen einer Frau bzw. eines Kind. Erstaunlicherweise drang jedoch durch diesen kleinen Stimmapparat eine enorme Kraft, die über die eines nicht kastrierten Mannes noch weit hinaus reichte. Diese abnormale Kraft war die Folge einer vergrößerten Lunge und Brustkorb. Diese Organe wuchsen aufgrund der Kastration stärker als bei einem nicht operierten Mann. Außerdem war ihr Stimmapparat äußerst langlebig und alterte nicht. Die meisten Kastraten traten noch bis zu ihrem Tod auf, was bei Sängern damals wie heute unüblich war bzw. ist. Folglich konnte sich ein Kastrat lebenslang durch seine Stimme einen kindlichen Teil bewahren.
(andersseitig.de)

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Autor / Kontakt:
Online Verlag new-ebooks.de
Herr Johannes Krüger
Dresden
URL: http://www.new-ebooks.de

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