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Das doppelte Leiden

Drucken 04.05.2011, 00:00 Uhr, Gesundheit & Medizin
(djd). Unkontrolliertes, lautes Schreien, Krämpfe mit wilden Zuckungen. Wenn man einem Menschen begegnet, der gerade einen schweren epileptischen Anfall hat, schießen einem die unterschiedlichsten Gedanken durch den Kopf: Ist derjenige betrunken, geistesgestört oder sogar gefährlich? Doch alle drei Annahmen treffen nicht zu. Die Betroffenen leiden an einer ernstzunehmenden Krankheit, die nichts mit Alkoholkonsum oder Geistesgestörtheit zu tun hat. Epilepsie bedeutet auch keine Gefahr für andere Menschen.

Was ist Epilepsie eigentlich?

Die Fallsucht, wie das Leiden im Volksmund auch genannt wird, tritt auf, wenn Nervenzellen des Gehirns übererregt sind und sich ähnlich wie die Blitze bei einem Gewitter gleichzeitig und unkontrolliert entladen. Etwa zehn Prozent der Deutschen erleben einmal in ihrem Leben einen solchen epileptischen Anfall - oft im Anschluss an eine schwere Erkrankung wie zum Beispiel einen Schlaganfall oder einen Unfall. Nur bei einem von 100 Betroffenen entwickelt sich daraus eine bleibende Funktionsstörung im Gehirn, die behandelt werden muss.

Bei der Künstlerin und Autorin Anja Zeipelt löste ein Schädelbasisriss nach einem Unfall beim Inlineskating die Epilepsie aus. "Ich hatte anfangs Blackouts, stotterte, fand die Worte nicht mehr, litt zunehmend unter Zuckungen", erzählt die heute 42-Jährige, "bis zu acht Mal täglich."

Unwissenheit führt zu Ausgrenzung

Anja Zeipelt ist von Anfang an offen mit ihrer Krankheit umgegangen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Oft sind für die Betroffenen die Blicke und das Unverständnis der Mitmenschen schlimmer als die Erkrankung selbst. Menschen, die an Epilepsie leiden, werden noch immer ausgegrenzt, weiß Nicole Reketat, die sich beim Pharmaunternehmen UCB um die Bereiche Gesundheitsinformation und Patientenservice kümmert. Der Hersteller bemüht sich, das oft falsche Bild der Epilepsie in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Es setzt außerdem mit seiner Website www.epilepsie-gut-behandeln.de auf Patientenaufklärung. Ein wichtiger Punkt, denn Epilepsie lässt sich heute gut behandeln - circa 70 Prozent der Betroffenen können mit Medikamenten ohne Anfälle leben. Leider wissen zu wenige um diese Möglichkeiten.

"Nur ungefähr die Hälfte der 750.000 an Epilepsie erkrankten Menschen befolgt die Therapieanweisungen ihrer Ärzte", so Nicole Reketat. Dass die Zusammenarbeit mit dem Arzt lohnt, beweist Anja Zeipelt: "Ich bin gut eingestellt", erklärt sie. Das bedeutet, dass sie über Monate anfallsfrei ist. Ihre Krankheit hat Anja Zeipelt als einen Teil ihres Lebens akzeptiert. Ihrer Umwelt beweist sie eindrucksvoll, was Menschen, die mit Epilepsie leben, alles können.

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