Beim Start noch viel zu tun - Studie untersuchte 120 Startseiten der Immobilienbranche
Usability ist keine Seltenheit und steht im Widerspruch zur wirtschaftlich doch so bedeutenden Immobilienbranche.
„Finde ich, was ich suche? In drei Sekunden entscheide ich intuitiv, ob ich bleibe und mich mit der Site anfreunde. Dies muss vor allem die erste Seite leisten, auf der ich lande. Deshalb ist die Startseite unser Untersuchungsgegenstand.“, erläutert Peter Marquardt, Initiator der Studie und Geschäftsführer der zB2, Agentur für Immobilien-Marketing, den Ansatz seiner Untersuchung. Zusammen mit dem Experten für Software-Ergonomie, Prof. Dr. Markus Dahm vom Fachbereich Medien der Fachhochschule Düsseldorf stellte er die Startseiten von Immobilenunternehmen auf den Prüfstand. Das Thema interessierte immerhin bundesweit 120 Unternehmen aus der Immobilienbranche - darunter Immobilienmakler, Verwaltungsunternehmen, Projektwebsites - die ihre Internet-Startseiten für die Untersuchung zur Verfügung stellten.
Gleichförmigkeit
Es fällt zunächst einmal auf, dass viele der teilnehmenden Seiten marktübliche, Softwarelösungen verwenden, bei denen man Kosten sparend und ohne Programmierkenntnisse und fremde Hilfe seine Text- und Bildinhalte aktualisieren kann. Dies hat jedoch den Nachteil, dass bestimmte standardisierte Gestaltungsraster allzu oft auftauchen und das Erscheinungsbild eines Großteils der Startseiten austauschbar aussehen lässt.
Dennoch hat man es bei diesen „Billiglösungen“, und oft selbst gebastelt wirkenden Startseiten nicht automatisch mit unbedeutenden provinziellen Objekten und Anbietern zu tun. Häufig scheuen sich die Autoren solcher Seiten nicht, Immobilienobjekte mit zum Teil siebenstelligen Kaufpreisen und entsprechenden Provisionsaufschlägen anzubieten.
Ein viel gravierenderes Defizit jedoch mag man im Google-Zeitalter kaum glauben: Das Gros aller Seiten ist über Suchmaschinen überhaupt nicht auffindbar! Es herrscht offenbar immer noch große Unkenntnis darüber, dass Texte, die als Bilder, Grafiken oder Animationen dargestellt werden, von Suchmaschinen nicht erfasst werden. Um über Suchmaschinen gefunden zu werden, müssen die eigenen Stichworte aber bereits auf der Startseite in einem offenen Text lesbar sein. Das eigene Internetangebot lässt sich sonst also gar nicht direkt über Suchworte anzeigen. Trotzdem waren 69 Prozent der untersuchten Seiten in so genannten Frames und 26 Prozent Flash basiert programmiert und enthielten somit keinen für Suchmaschinen lesbaren Text.
Es ist eigentlich kaum zu glauben, aber hierfür erforderliche offene Textseiten, die direkt von Suchmaschinen erfasst werden können, bildeten die Ausnahme: Nur 5 Prozent waren überhaupt für eine direkte Erfassung durch die gängigen Suchmaschinen geeignet.
Gebrauchstauglichkeit – Was ist das?
Wie gut, wie leicht, wie effizient lässt sich ein Gebrauchsgegen-
stand handhaben? Diese Fragestellung der Ergonomie ist nicht nur in Bezug auf Büromöbel und Autositze von Bedeutung. Sie entscheiden auch im Internet zunehmend den Wettbewerb.
Finde ich ein Gewirr aus vielen Wegweisern? Oder treffe ich auf eine klare Kreuzung mit wenigen ansprechenden deutlichen Schildern, denen ich ohne Überlegung erst einmal folgen kann? Diese Notwendigkeit zur schnellen intuitiven Erstorientierung auf der Startseite ist natürlich auch für die Internet-Vermarktung von Immobilien eine entscheidende Grundvoraussetzung.
Aus Sicht der Software-Ergonomie ist es zum Beispiel eine Faustregel, dass die Hauptnavigation auf der Startseite keinesfalls mehr als maximal sieben Menüpunkte inklusive der Home-Funktion aufweisen sollte. Umso bedenklicher ist es, dass 55 Prozent der untersuchten Immobilien-Startseiten mehr als sieben Menüpunkte aufwiesen. Über ein Drittel aller Seiten verfügten sogar über mehr als 9 Menüpunkte.
Geht man noch einen Schritt weiter und legt die Barrierefreiheit von Websites als Messlatte an, sieht es in der Immobilienbranche ganz schlecht aus. Bei den untersuchten Startseiten wurde nur in wenigen Einzelfällen ansatzweise darüber nachgedacht, ob sich auch Behinderte mit den angebotenen Inhalten auseinandersetzen können. Vor dem Hintergrund einer sich verändernden Alterspyramide unserer Gesellschaft mit den entsprechenden Handicaps eröffnen sich hier vielfältige Chancen für eine Neuausrichtung des eigenen Produkt- und Dienstleistungsangebotes mit entsprechenden Konsequenzen für Marketing und Kommunikation.
Auch hier: Polarisierungstendenz
Obwohl nicht repräsentativ bietet diese Studie doch einen fachkundigen und anschaulichen Überblick, offenbart vertane Chancen und Möglichkeiten und wirft ein Schlaglicht auf diesen wichtigen Bereich der Immobilien-Kommunikation. Wie nicht anders zu erwarten in diesem immer noch relativ jungen Massenmedium, zeigt diese Untersuchung, dass es hier qualitativ noch viel Potenzial zu heben gibt. Allein schon dadurch, dass man zunächst einmal bestehende Defizite beseitigt.
Wie bei der soziologischen Entwicklung unserer Gesellschaft scheint auch bei der Website-Kommunikation im Immobilienbereich die Schere weit auseinander zu gehen. Auf der einen Seite gibt es einige wenige Beispiele von gestalterisch wie inhaltlich herausragender Qualität. Hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um gute Ideen professionell umsetzen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es viele Beispiele, die erkennen lassen, dass ihre Autoren trotz Content Management Systemen, Digitalkameras und Bildverarbeitungsprogrammen mit der gestellten Aufgabe überfordert waren. Da sich das Internet mittlerweile zu einem führenden Kommunikationsmedium entwickelt hat, zählt die Ausrede, das haben wir aber selbst gemacht, nicht mehr.
Resümee und Leitfaden
Man merkt der Studie an, dass die Autoren in der Praxis häufig mit der Bewertung und Umsetzung von Websites zu tun haben. So gibt die Studie neben einer allgemein bildenden Einführung in die Kurzgeschichte des Internets auch eine Vielzahl von nützlichen Tipps und Anwendungsempfehlungen im Bereich der Gestaltung. Bei der Verwendung von Schriften, Farben und Bildern im Internet weisen viele der untersuchten Websites immer noch grobe Regelverletzungen auf. Zu viel Text, teils ungeeignete Serifen-Schriftarten, zu viele zu kleine, qualitativ schlechte Bilder, zu viele Links und Menüpunkte ...
Im Schlussteil haben die Autoren aus ihrem Werk daher einen kurzen Leitfaden für die Websitegestaltung herausdestilliert, den man übrigens nicht nur für die eigene Gestaltung zu Rate ziehen kann. Er ist auch als Bewertungsmaßstab für die Websitegestaltung nützlich, die man bei externen Dienstleistern wie Webdesignern, Programmierern oder Werbeagenturen in Auftrag gegeben hat
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Kommunikationsverhalten der Branche gehört zum festen Repertoire der zB2. In den zurückliegenden Jahren hat sich die zB2 mit mehreren beachteten empirischen Studien hervorgetan; Untersuchungsgegenstände waren Immobilienanzeigen, Immobilienexposées, Immobilienaußenwerbung und zuletzt Immobilienwebsites.
Seit 19 Jahren hat die zB² als Spezialagentur für Immobilien-Werbung und Standort-Marketing die bewährten Methoden und Instrumente der Markenkommunikation speziell auf die Anforderungen der Immobilienbranche zugeschnitten und immer weiter verfeinert. Die Dienstleistungen umfassen die Bereiche Markenentwicklung und Corporate-Design, Immobilien-Marketing und Immobilien-Werbung, Pressearbeit und Public Relations sowie Event-Marketing.
Autor / Kontakt:zB2 Real Estate Communications
Herr Ulrich Rudat
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